Stockholm

Müsste ich Stockholm mit nur zwei Wörtern beschreiben wären es vermutlich „grau“ und „verbaut“. Vielleicht kam ich nur zu falschen Jahreszeit am falschen Zeitpunkt, aber egal wo man hinsieht stehen neue Giganten aus Beton oder sind gerade dabei errichtet zu werden. Alles ist voller Bauzäune und Kräne. Wusstest du, dass ein durchschnittlicher Kran um die 30 Meter hoch ist und bis zu 12 Tonnen heben kann? Wusstest du auch, dass ein U-Bahn-Schacht von 20 bis zu 105 Meter tief unter der Erde verläuft? Über sowas fängt man an nachzudenken, wenn man an jeder Straßenecke damit konfrontiert wird.
Doch nimmt man sich ein bisschen Zeit, hat man die Möglichkeit in eine ganz andere Welt einzudringen. Eine kleine Welt, die es jedoch Wert ist gefunden und erforscht zu werden. Kleine Gassen, die von den angrenzenden Gebäuden vor der grauen Tristheit abgeschirmt werden. Die Häuser sind so hoch, dass nichtmal ein Kran einen Blick hineinwerfen darf. Der Boden wechselt von plumpem Beton zu Kopfsteinpflaster. Jeder Stein ist unterschiedlich groß und die unterschiedlichen Höhen lassen dich das Pflaster beim gehen spüren. Löwen aus glattgeschliffenem Stein bewachen die Eingangspforten in das kleine Königreich und lassen nur das pure Leben hinein, keinerlei leblose Kulisse. Alle Schaufenster sind gefüllt mit den unterschiedlichsten Sachen, alles erstrahlt in verschiedenen Farben, nichts ist gleich. Kleine Lokale bieten ausgefallene und gemütliche Ambiente, ihre Eingangstüren sind eingerahmt von bunter Blüte und goldenem Licht. Die Lücken zwischen den Dächern sind mit Lichterketten benetzt, was den Himmel hier klarer wirken lässt als im Rest der Stadt. Alte aus rotem Backstein gefertigte Kirchtürme ragen hinter so manchen Häusern hervor und schenken mit ihren grünen Dächern der Kulisse ein weiteren Hauch an Farbe. Folgt man den bergaufwärts laufenden Gassen und schaut von links nach rechts, lässt den Blick einmal komplett durch das Geschehen streifen, verspürt man komplette Faszination. Denn eigentlich ist alles hier total schlicht. Nichts ist außerordentlich auffallend, architektonisch besonders anders oder atemberaubend gigantisch. Und genau das ist der Punkt. Es sind nicht die neuesten Innovationen und riesige Glaskomplexe, die dem ganzen neues Leben einhauchen; es sind die Menschen die es zu etwas ganz besonderem machen. Die an ihren Träumen und Visionen festhalten und andere Menschen daran teilhaben lassen. Durch das wirkt alles wie ein Kunstwerk, welches ein Künstler als letzten Schritt mit ein paar Pinselstrichen in pures Gold gehüllt hat. Es muss nicht immer alles neu und ausgefallen sein um aufregend zu sein, oftmals reicht ein Hauch von Normalität und Gelassenheit mit einem Funken Minimalismus aus, um etwas schönes zu kreiiren. Denn auch poliertes Glas kann dreckig werden, was einem die Sicht auf das Wesentliche sogar im 15. Stock erschwert. Stockholm braucht, wie ein kleines schüchternes Kind, seine Zeit um die schönen Gegenden preis zu geben, aber hat man sie erst einmal gefunden möchte man sie gar nicht so schnell wieder verlassen.

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