Krakau

Wenn eine Freundin, welche in Krakau geboren und aufgewachsen ist, auf die Frage antwortet was ihr an dieser Stadt denn so gefällt und warum sie hier gerne wohnt, stößt sie meist auf schüttelnde Köpfe. Auch ich habe sie das einmal gefragt. Sie sah mich an und lächelte. Lange Stille und viele Schritte bevor eine Antwort kam:
„Krakau ist wie ein kleines Wien. Sieht man sich um, ist es wie als wäre ein Eckstück vom echten Wien abgebrochen und bis hier her geflogen. Die Trümmer haben sich dann in alten polnischen Ruinen verfangen und diese mit neuem Leben gefüllt. Irgendwann verflüssigten sich die Wiener Splitter zu Gold und überfluteten ganze Viertel, so wie Kazimierz. Neben Flüssen errichteten sich einzigartige Häuser. Über Flüsse wurden einzigartige Brücken gespannt. Blickt man auf Fassaden erwarten einen malerische Meisterwerke. Blickt man in Schaufenster erwarten einen ausgefallene Boutiquen und Lokale. Blickt man über die verschiedenen Speisekarten liest sich jedes unbekannte Gericht aus anderer Kultur leckerer als das andere. Blickt man unter Torbögen hindurch hören die Möglichkeiten und Ausgefallenheiten nicht an einem Hauseck auf. Wie ein Schwall an Farbe der einen überkommt und die Tristheit bunt gestaltet. Ein Blick rundum reicht nicht aus um all das zu erklären was in meinem Kopf vorgeht, wenn ich diese Frage beantworten soll. Krakau ist eine Stadt für aufmerksame Menschen. So wie für dich und mich.“
Mittlerweile die ganze Stadt durchquert, bleiben wir vor einer Wand stehen. „Sieh nach oben.“ Poesien in verschiedenen Sprachen sind an die Fassade projeziert. Eine Pferdekutsche fährt an uns vorbei. Menschen verlassen lachend ihre Lieblingskneipe an der gegenüberliegenden Straßenseite. Die Gassen erleuchten nach und nach immer mehr. All das, was sie versucht hat mir zu sagen, kann ich jetzt sehen. Und ich bin mir sicher, dass das flüssige Gold nicht nur Objekte erreicht und vergoldet hat. Denn hier in dieser Stadt leben Menschen mit einem Herzen, welches wertvoller ist als ein Barren dieses Edelmetalls. Und ich hatte Glück genau diese Menschen zu treffen. Wirklich tolle Menschen, die einen Platz in meinem Herzen haben und die ich immer wieder gerne besuchen werde. Also solltest du als Person, die das hier liest, einmal nach Krakau reisen, halte Ausschau nach den Wiener Trümmern. Wenn du Glück hast kannst auch du das Gold durch den ein oder anderen Riss in einer Wand blitzen sehen.

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