Vancouver

Es gibt Momente im Leben, in denen du bestimmte Zeitspannen nicht genau definieren kannst. Wenn dich jemand fragt wie lange etwas her ist, könnte es ein paar Monate aber auch ein oder mehrere Jahre her sein. Du weißt es nicht genau. Wenn dich jemand fragt wie lange etwas gedauert hat, könnten es wenige Minuten aber auch mehrere Stunden oder sogar Tage sein. Du hast dein Zeitgefühl verloren. Ich bin mir nicht sicher wie das passiert, was für Faktoren solche Momente auslösen. Momente, in denen deine innere Uhr zum still stehen kommt. Du schwebst total in der Luft und hast keinen Anhaltspunkt mehr. Die Zeit vergeht so langsam und gleichzeitig so schnell. Wie als würde sie im Fluge vergehen, nur ist eigentlich alles in Zeitlupe gehalten. Deine Welt stoppt während sich alles andere weiter bewegt. Und im wahrsten Sinne verging die Zeit im Fluge im Flugzeug. Und gleichzeitig so überhaupt gar nicht. Es war nicht mein erster Langstreckenflug. Aber diesmal war es weitaus anstrengender. Vielleicht lag es daran, dass ich alleine war. Vielleicht auch daran dass ich mehr als 30 Stunden wach war. Vermutlich war ich nicht die komplette Zeit wach, nur kann ich mich nicht daran erinnern geschlafen zu haben. Meine Knie brennen immer noch. So lange sitzen ist sicher nicht gesund. Nicht einmal mit Unterbrechung von ein paar Stunden zum Umsteigen. Vor allem nicht, wenn die kanadische Behörde denkt, dass du illegal einwandern willst um hier Arbeit zu finden. Nur weil du wegen dem Schlafmangel und der Anstrengung aussiehst wie der größte Drogenjunkie ohne Perspektive. Und sogar während man gefilzt wird sitzt man nur. Eigentlich macht man doch großteils nichts anderes an Flughäfen und in Fliegern. Sitzen. Ich mag Flughäfen und fliegen, sehr sogar. Nur mag ich es auch meine Beine benutzen und spüren zu können. Doch egal wie lange es gedauert und wie lange es sich im Vergleich angefühlt hat. Egal wie sehr meine Knie und andere Körperteile darunter leiden mussten. Ich bin da. Ich bin endlich angekommen und das ist mir jede Zeit der Welt und jede Umstände wert. Es ist es mir auch Wert sich in der ersten Nacht spontan eine andere Unterkunft suchen zu müssen, weil mein Reisepartner gefühlt am Jetlag gestorben ist und somit nicht in der Lage war mir die richtige Adresse zu senden geschweige denn wach zu bleiben und an sein Handy zu gehen. Dir sei verziehen, dafür habe ich nette Leute kennengelernt und tolle Tips bekommen. Ich habe es satt mir Sorgen zu machen und alles ernst sehen zu müssen. Alles zu planen, immer den Kopf hinhalten zu müssen. Also lasse ich es. Endlich wieder im jetzt leben. Für sich selbst leben und genießen können. Da ist keine Zeit um nachtragend oder gestresst zu sein. Es wundert mich tatsächlich sehr, WIE gelassen ich doch bin, seitdem ich kanadischen Boden betreten habe. Ich bin am anderen Ende der Welt, also wieso nicht schätzen wie weit man gekommen ist und all die Möglichkeiten ergreifen, die man kriegt. Und Canada scheint vieles bieten zu können. Alles ist so anders. So riesig und gleichzeitig so naturbelassen. Im Grunde ist es schwer in Worte zu fassen, denn es kommt mehr darauf an was man fühlt, als was man sieht um es verstehen zu können. Alles macht mich ein bisschen sprachlos. Vor allem Vancouver. Mein erster Stop. Der Ort an dem alles beginnen wird. Und ich kann mir keinen besseren Ort dafür vorstellen. Man kann nicht glauben, wie einzigartig diese Stadt doch ist. Ich kann es zumindest nicht. Du stehst in Mitten von modernen Wolkenkratzern. Die Dächer so hoch, dass dein Nacken schon weh tut vom nach oben sehen. Wandert dein Blick nach unten, stehen mittendrin alte, wunderschöne Gebäude aus Stein. Altertümliche kleine Kirchen, welche aussehen, wie als wären sie zwischen die gläsernen Fassaden hinein gephotoshopt worden. Blickst du an all den Giganten vorbei und bahnst dir deine Wege hindurch, stehst du mitten am Meer. Plötzlich bist du einfach am Strand. Einfach so. Inmitten einer Stadt. Drehst du dich um und gehst zurück und noch ein bisschen weiter stehst du inmitten von Wäldern und Gebirge. Überall sind Seen, Wasserfälle, welche durch Schluchten laufen und tausende von Parks. Alles ist so grün und rein. Inmitten einer Stadt. Wie als hätte man einfach ein paar Teile von irgendwoher abgeschnitten und wieder zusammengebastelt. Nur war es ein sehr guter Bastler, denn es passt so unglaublich gut zusammen. Alles ist wild durcheinander. Alles ist so groß und weitläufig. Man bekommt das Gefühl frei zu sein und alles schaffen zu können. Nimm dir die Teile die dir gefallen und baue sie zu etwas Neuem zusammen.

Etwas Neues. Ein Neuanfang. Danke Vancouver, dass du mir diesen bietest.

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