Victoria

Ich schließe meine Augen während ich einmal tief ausatme. Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Ich halte die Augen geschlossen während ich wieder einatme. Ich fühle mich total entspannt. Ich kann spüren welche Teile meines Körpers in der Sonne sind und welche nicht. Wie eine Linie, die sich unsichtbar zwischen Licht und Schatten zieht. Es prickelt leicht an meinem rechten Wangenknochen und trotz der geschlossenen Augenlieder ist alles hell und leichte Regenbogentöne spiegeln sich im inneren des Sinnesorgans. Der Küstenwind weht mir durchs Haar und streift mein Gesicht, sodass die Wärme des Sonnenlichts nie unerträglich werden kann. Manchmal sieht man mehr von dem was um einen herum geschieht, wenn man sich einfach mal dazu entscheidet nichts zu sehen. Vögel, die zwitschern und Zweige, die leise im Wind wegen und ab und zu am Geländer der naheliegenden Treppe streifen. Das Wasser des Meeres, welches gegen die Buchtmauern schwappt und letztendlich bricht. Möwen, die über den anliegenden Schiffen ihre Kreise ziehen. Autos, welche an mir vorbei fahren. Ihre Reifen, die über den Beton rollen, halten die Kulisse in einem monotonen Klang. Ich öffne nur kurz die Augen, um einen Schluck von meinem Kaffee zu trinken. Mein Blick schweift einmal über das bisher erlauschte um mich herum und füllt kleine Lücken mit Bildern. Ich drücke meine Zunge gegen den Gaumen um den Kaffee noch einmal intensiv zu schmecken und schließe erneut die Augen. Die Luft ist kühl und frisch, sodass das Atmen leichter fällt. Es fühlt sich gut an. Die milde des Windes gibt einem das Gefühl weitaus mehr Sauerstoff aufzunehmen. Alles ist so rein. Klirrende Gläser, dumpfes Gemurmel und Gelächter von nebenliegenden Tischen. Das ein oder andere Gespräch, welches an dem Zaun der Lokalterasse vorbei geht. Der Kies, der mit den Füßen der Passanten leicht über den Gehweg geschoben wird. Leise Musik, welche aus dem gegenüberliegenden Café und dem ein oder anderen Autoradio ertönt. Die Sonne steht mittlerweile niedriger, die Grenze zu Schatten und Licht auf meiner Haut hat sich verschoben. Ich blinzele der Sonne entgegen und schaue vereinzelten Wolken für einen Moment beim ständigen Wandern und Verändern ihrer Form zu. Ich nehme meine Tasse in die Hand und schwenke sie leicht hin und her. Wie der mittlerweile lauwarme Kaffee wie eine Welle zwischen dem Kaffeerand am inneren des weißen Porzellans von einer zur anderen Seite wiegt. Die vorbeilaufenden Personen beobachtend trinke ich das kleine Kaffeemeer aus, bezahle und laufe dem pazifischen Meer entgegen. Die Promenade entlang, soweit ich eben gehen mag. Zwischendrin schließe ich immer mal wieder die Augen, um die letzten Sonnenstrahlen nochmal ein bisschen mehr genießen zu können. Langsam wird es dunkel und die Straßenlaternen leuchten, welche, durch die pyramidenähnliche Anordnung ihrer rundlichen Glühbirnen aus milchigem, Glas aussehen wie kleine Bäume. Die Fassaden der viktorianischen Gebäude werden von unten angestrahlt, so sehen sie viel größer und beeindruckender aus. Ich passiere das Parlamentsgebäude, dass umrahmt von kleinen Lichtern ist, sodass es gleich viel pompöser und gleichzeitig auch niedlicher wirkt. Die Reflexionen der Steingiganten werden stückweise vom tiefen tintenblauen Meer verschluckt. Wie eine einzige intensiv einfarbige Masse, die Wellen schlägt, meinen Blick durch diese bis an den Horizont mitziehend. Leicht gelbliches blau, was die einzige Abgrenzung von Himmel und Ozean erahnen lässt, verläuft in hellblau zu dunkelblau bis zu tiefem schwarz. So wie mein Blick mittlerweile am Himmelszelt hängt, lassen sich, wenn man sich konzentriert, auch ein paar Sterne zwischen der Schwärze baumeln. Mein Weg bahnt sich weiter zurück in den kleinen Stadtkern. Umgeben von lilastichigem Backstein und schwarzen Dächern, öffnen sich links und rechts kleine Portale in unterschiedliche Kulturen und Stimmungen. Die Türen eingerahmt wie ein Spiegel am Broadway. Gedimmte Lichter hinter den Scheiben, mal mehr mal weniger Menschen mittendrin. Die Straßen leeren sich. Alles wird ruhig und gelassen. Ich lausche nur noch meinen Schritten, dem Meer in der Ferne und dem ein oder anderen Klang aus so mancher Gaststätte. Und schließe ich erneut die Augen, kann ich immer noch ein bisschen die Wärme der Sonne auf meinem Gesicht spüren.

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