Trau dich!

1, 2, 3 – mutig sein! Es ist doch nichts dabei. Steh ich richtig da? Soll ich lächeln? Was denke ich da eigentlich? Ich muss aussehen wie der größte Psycho mit dem eingefrorenen Lachen und komischen Zuckungen. So wird das nichts. Ich stell mich aber auch komplett bescheuert an. Also nochmal von vorne. Erstmal den Rucksack absetzen. So. Und jetzt einfach nur den Daumen zeigen. Ok, beim nächsten Auto. Oder doch erst das übernächste? Du stehst doch schon mit deinem riesen Rucksack am Fahrbahnrand, es weiß doch jeder was du vorhast! Mach einfach! Was für ein absurder innerer Konflikt. Ist doch alles ganz einfach. Oder? Na gut. Durchatmen. Eine Sekunde sich trauen.
Sich letztendlich sogar länger als nur eine Sekunde getraut. Gott sei dank. Denn wie sich herausstellt, bin ich gar nicht so schlecht darin zu trampen. Nicht einmal eine halbe Stunde gewartet und schon hält jemand für mich an. Was für ein Glück, dass diese Person auch noch da hin fährt wo ich hin möchte. Circa 1,5 Stunden und eine nette Unterhaltung später, erreichen wir unser Ziel. Whistler. Ein wunderschönes Skigebiet mit einem für Kanada sehr untypischen Stadtkern. Der Boden aus Pflasterstein, welcher sich durch die Häusergassen schlängelt und an den ein oder anderen Plätzen mit Innenhofcharakter aufeinander trifft. Die Fassaden der Häuser grau und rot gehalten, sodass es so aussieht, wie als wäre alles aus Plastik. In Kombination mit den zahlreichen Lokalen, Cafés und Boutiquen in den Erdgeschossen der Gebäude, erinnert es schon stark an eine Playmobilstadt. Und mir gefällt das. Nach einer heißen Schokolade und dem Beobachten des Getümmels aus bunten Schneeanzügen, wird es jedoch Zeit weiter zu ziehen. Also zurück zur Hauptstraße. Erneut nicht länger gewartet als davor, teile ich die Weiterreise mit einem jungen Mann bis zur nächsten Ortschaft. Pemberton. Ich glaube dieser Kerl war total stoned. Naja, whatever. Ich bin angekommen. Jedoch kein Ort, der einen Aufenthalt wert ist. Also weiter gehts. Ich weiß nicht was es ist, jedoch habe ich jedes Mal unglaubliches Glück. Keine langen Wartezeiten, meistens das selbe Ziel und sehr zuvorkommende, nette Menschen. Diesmal ist es ein Wildfirefighter, der mich ein Stück mitnimmt. Geschichten des Fahrers lauschend, beobachte ich die wunderschöne Landschaft, die an uns vorbei zieht. Tausende Grünflächen und schneebedeckte Berge werden zu wüstenähnlichem Territorium. Langsam wird es dunkler und der erste Stop ist erreicht. Lillooet. Jedoch bleibe ich nur für eine Nacht. Die Ortschaft, welche nur aus einer Hauptstraße besteht, wirkt sehr verlassen. Mehrere Läden sind total verstaubt und heruntergekommen, beherbergen jedoch trotzdem noch sämtliches Inventar. Ein paar Türen weiter sind brandneue Geschäfte mit Produkten oder Angeboten, die du hier niemals erwartet hättest. Irgendwie absurd. Irgendwie cool.
Eine Nacht vergeht schnell. Auf, auf! Neuer Tag, erneutes Glück. Ich denke ein Mädchen zu sein, ist hierbei echt ein Vorteil. Kurzerhand von einem Wissenschaftler aufgegabelt, welcher mich bis nach Cashe Creek bringt. Von dort aus schon fast ein fliegender Wechsel vom SUV zum Truck. Und wie es der Zufall will, ein Truck der zu meinem Ziel fährt. Ein netter Inder, welcher mir Essen und Kaffee schenkt. Nach mehr als fünf Stunden Fahrt erreichen wir die angepeilte Stadt Prince George. Ich verabschiede mich und mache mich auf den Weg zu meiner zuvor gebuchten Unterkunft, welche gerade einmal einen Kilometer von der Ladestation des LKW’s entfernt liegt.
Ich kann es immer noch nicht fassen, wie viel Glück ich jedes Mal hatte. So viele interessante Geschichten und unterschiedliche Persönlichkeiten. Jede dieser Personen war mir eine große Hilfe und das beste daran ist, dass sie mir gerne geholfen haben. So wie ich jetzt etwas über sie erzählen kann, haben sie auch etwas über mich zu erzählen. Ich bin gespannt, wen ich noch so alles treffen werde. Doch jetzt mache ich erstmal eine kleine Verschnaufpause …

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