Ein Stück vom Kuchen

Erinnerungen sind dein eigenes Hab und gut. Sie gehören nur dir, ganz tief drin in deinem Kopf. Manche sind dort stärker verankert, manche nur ganz leicht, ganz locker. Manche verblassen über die Zeit, gehen verloren oder bleiben für immer präsent. Doch egal wie stark oder schwach eine Erinnerung ist, sie ist nur deine. Es gibt Momente, die du mit anderen Menschen geteilt hast und diese Person somit automatisch eine ähnliche, jedoch nie die gleiche Erinnerung haben wird. Denn zu jeder Situation die man durchlebt, lässt sich ein spezielles Gefühl zuordnen. Das erste was dir in den Sinn kommt, wenn du an etwas zurück denkst, ist wie du dich dabei gefühlt hast, was es in dir ausgelöst hat. Und kein Mensch außer dir selbst, kann genauso fühlen wie du. Jede Person hat eine andere Auffassung von Wut, Trauer, Freude, Glück oder von jedem anderen Gefühl auf dieser Welt. Es sind andere Intensitäten und Interpretationen, die gravierende Unterschiede machen. All das was dich ausmacht, DU bist der gravierende Unterschied in deiner Erinnerung. Und auch das Gedenken an einen komplett anderen Menschen und dessen Handeln und dessen Art, ist abhängig von DEINER Auffassung. DEINER Interpretation und DEINER Intensität. DEINER Beziehung und DEINER Gefühle zu dieser einen Person. Und das ist gut so. Und es ist wunderschön, Erinnerungen und Eindrücke mit anderen teilen zu können, speziell mit denen, die selbst viele positive Erinnerungen in dir hervorrufen. Deine Familie und deine Freunde. Es ist gut, somit Freude und Trauer teilen zu können, in Momenten in denen man alleine war. Doch auch wenn es schön ist diese Dinge, deine Erinnerungen und deine Erfahrungen, mit anderen teilen zu können, endet das Teilen irgendwann im Geben. Es ist wie ein Kuchen, den du mit jemandem zusammen isst. Umso mehr Menschen sich ein Stück davon nehmen, desto weniger bleibt für dich übrig. Und ist am Ende nur noch ein Krümmel auf dem Teller, kannst du nicht mehr beurteilen wie dieser Kuchen wohl geschmeckt hat, geschweige denn, was es denn wirklich für eine Sorte war, denn du warst viel zu beschäftigt damit, anderen Personen etwas von deinem Kuchen zu geben, anstatt ihn mit ein paar wenigen Personen zusammen zu essen.
Durch das Reisen habe ich viele verschiedene Menschen getroffen und musste viel von meinen Reisen und Erlebnissen erzählen. Durch die Entfernung zu meinen Freunden und meiner Familie musste ich viel Bericht erstatten. Ich habe somit andauernd, immer und immer wieder, die selben Geschichten erzählt und meine Eindrücke mit anderen geteilt. Nur nach einer gewissen Zeit habe ich mich umgesehen und vor mir lagen nur noch Krümmel. Natürlich sind all die Erinnerungen noch in meinem Kopf, nur stark verblasst. Je öfter ich darüber sprach, desto mehr verloren die Ereignisse an Besonderheit. Ich kann mich oftmals nicht einmal mehr daran erinnern wie ich in diesen Momenten gefühlt habe. Viele Momente haben für mich deswegen so stark an Bedeutung verloren, dass ich nicht einmal mehr über diese nachdenken möchte. Und das macht mich traurig und es erschwert mir das Schreiben über diese speziellen Dinge massiv. Schreiben war für mich immer der perfekte Ausgleich und eine Möglichkeit aus der realen Welt für eine Zeit auszusteigen. Schöne und auch Schlechte Dinge revue passieren zu lassen und somit auch meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Es war immer die perfekte Möglichkeit, um mich mitzuteilen, meine eigenen Erinnerungen zu intensivieren und sie dennoch mit anderen zu teilen ohne etwas davon zu verlieren. Es gab mir eine Stimme ohne reden zu müssen, was ich immer sehr geschätzt habe, da ich einfach nicht gerne rede. Ich verstehe nur zu gut und schätze es auch sehr, dass meine Familie und Freunde von mir hören und mit mir auch sprechen wollen, nur belastet es mich zutiefst, dadurch meinen Geist und vor allem meine Kreativität einschränken zu müssen und meine Reise nicht in vollen Zügen genießen zu können. Vielleicht klingt es egoistisch zu sagen, dass mich die Fürsorge von Menschen denen ich wichtig bin einschränkt, nur setzt es mich wahnsinnig unter Druck und macht mich unglücklich, was nicht das Ziel dieses Trips war. So kommt es, dass ich über viele Dinge, die passiert sind nicht mehr schreiben kann. Und wenn ich versuche darüber zu schreiben ist es nicht das, was es hätte sein können und auch sein sollen.
Ich liebe Kuchen. Vor allem liebe ich es zu backen und diesen dann mit anderen Personen zu teilen. Nur brauche ich ein Stück von jedem Kuchen für mich selbst, um zu wissen wie er schmeckt. Ich liebe das Reisen und das Teilen meiner Erinnerungen sehr, nur brauche ich ein paar Erinnerungen für mich selbst. Denn schließlich ist jede Erinnerung mein Hab und Gut und ich möchte selber entscheiden können, was ich mit diesen anstelle.

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