Tok

Wir biegen in eine Schottereinfahrt ein. Ein paar Busse und ein Traktor stehen am Wegrand. Die Bäume versperren die weitere Sicht. Nach kurzer Zeit wird das Astwerk lichter und ein kleines Haus wird sichtbar. Es sieht niedlich aus. Ich höre zwei Hunde bellen, sonst ist es ziemlich still. Der Wagen kommt zum stehen. Mein Fahrer und ich nicken uns lächelnd zu und ich bedanke mich, während ich aus dem Pickup springe. Den Rucksack umgeworfen warte ich noch kurz bis er den Motor startet und den Schotterweg wieder hinab fährt. Langsam wird es dunkel. Die Hunde haben aufgehört zu bellen. Mir geht es gut. Im Haus brennt Licht, die rote hölzerne Fassade ist mit Lichterketten geschmückt, und vor der Haustür wartet schon jemand auf mich. Ein großer Mann mit langem, weißem Haar und Brille lächelt mich an und winkt mir zu. Das ist also Chris. Schön deine Bekanntschaft zu machen. Er bittet mich ins Warme, während er mich ganz verlegen und hibbelig um Entschuldigung für die Unordnung bittet. „Ich komme gerade erst zurück aus Kalifornien, mit Gästen habe ich noch nicht gerechnet. Aber gut dass du da bist, so habe ich einen Grund endlich mal wieder alles auf Vordermann zu bringen.“ Ich lächle ihm nur zu. Es stört mich nicht. Kein bisschen. Ich bin viel zu beschäftigt damit mich umzusehen. Es ist ein sehr kleines Haus, das macht es gemütlich. Links führt eine schmale Treppe nach oben, ihr Zugang ist leicht mit einer kleinen Couch versperrt. „ Ja ich weiß, da steht sie nicht ganz optimal, ich bin mir nur unsicher wohin damit.“ Verlegend fasst er sich in den Nacken und verschiebt das kleine Sofa ein Stück. „ Dort oben ist dein Zimmer, komm ich zeige es dir schnell.“ Die Treppe knarzt ein wenig, das Holz ist schon ein wenig älter. Das Zimmer ist relativ groß, die Einrichtung zusammengewürfelt, doch das Bett sieht gemütlich aus. Chris zeigt ins Eck, wo ein Fernseher steht. „Tut mir leid, dass noch nicht alles so perfekt ist, wie gesagt, ich habe keine Gäste erwartet, aber das Bett ist weich und du hast sogar einen Fernseher der funktioniert.“ Er lächelt und seine Augen strahlen währenddessen. Süß. Ich brauche keinen Luxus, ein Bett reicht mir vollkommen aus. „Hier ist das Bad, ich schalte das warme Wasser an, damit du duschen gehen kannst, falls du willst.“ Verunsichert und erwartungsvoll blickt er mich nun an. Vielleicht sollte ich mal etwas mehr sagen. „Schon gut, ich brauche nicht viel. Vielen Dank für all Ihre Mühe.“ Es beruhigt ihn ein bisschen und er scheint froh zu sein. Wir gehen wieder runter in den Wohnraum, wo er ein wenig Wasser für Tee aufsetzt. Auf dem Esstisch wartet schon jemand ungeduldig auf Gesellschaft. „Runter mit dir du Halunke.“ Er hat eine Katze! Das freut mich sehr. „ Das ist Paw. Wegen ihren weißen Pfoten, siehst du? Verstehst du?“ Er lacht. Die Katze ist klein und grau. Bis auf ihre Pfoten. Ich lache mit ihm. All das hier ist so herzerwärmend und erfrischend. Ich setze mich und lasse meinen Blick noch einmal durch den Raum wandern. Die Decke ist aus schönem dunklen Holz und die Wände weiß. Die Küche ist aus hellerem Holz und die meisten Schränke haben keine Türen, sondern rot- kartierte Vorhänge als Abtrennung. Überall stehen Gewürze und Einmachgläser mit den verschiedensten Früchten und Nüssen gefüllt. Mittendrin der weißhaarige Riese, welcher durch die Gegend wuselt und versucht Ordnung zu schaffen. Erneut entschuldigt er sich. Ich versichere ihm nochmal, dass das nichts macht. Neben der Haustür ist ein großes Fenster, der Rahmen ist aus hellem Pressspahn. Am oberen Rand hängen Girlanden aus Popcorn herab. Die Lichtschalter haben die Form eines Elches und sind bunt bemalt. Im Raum steht ein großer Holzofen. „Den habe ich selber gebaut, ich bin Schweißer.“ Ich nicke nur. Während er da so in der Küche herum werkelt, klettert Paw durch alle Töpfe und Pfannen. Die beiden sind ein eingespieltes Team, er spricht viel mit ihr. Ich fühle mich wie bei Peterson und Findus. Der Kocher pfeift, er schenkt hastig das Wasser in zwei Tassen. Die Hälfte geht daneben, aber das macht nichts. Es ist ihm jedoch trotzdem unangenehm. Ich bin jetzt schon gerne hier. Der Geruch von süßem Tee vermischt sich mit dem leichten Geruch von Feuer, welches im Ofen lodert und leise knistert. Er und die Katze setzen sich zu mir und wir reden stundenlang über alles mögliche. Eher gesagt redet er und ich höre nur zu. „Tut mir leid, ich bin alleine, wenn dann mal jemand da ist und zuhört, kann ich gar nicht mehr aufhören.“ Er lacht. Und erneut ist er verlegen und nervös. „Schon gut. Ich höre gerne zu.“ Es freut ihn sehr das zu hören. Also erzählt er weiter. Chris hat ein wirklich interessantes, abenteuerreiches Leben, das muss man ihm lassen. Langsam wird es spät und ich werde müde. Trotz der tollen Erlebnisse war heute wieder ein anstrengender Tag. Also ab ins Bett.
Die Nacht vergeht schnell und schon ist ein neuer Morgen. Schnell gepackt und nach unten gehuscht, wo der schlaksige Mann mit seinem weißem strubbeligem Haar schon mit Frühstück auf mich wartet. Wir reden ein wenig und ich frage ihn, wie viel er denn von mir bekommt. „Ich verlange kein Geld von dir. Ich mag dich, du bist nett. Und gute Gesellschaft bist du auch. Außerdem bleibt der erste Gast im Jahr immer um sonst. Das ist Tradition.“ Ich freue mich wie ein Schnitzel, so dankbar bin ich. Es wird Zeit aufzubrechen. „Ruf mich an, falls du vor der Grenze irgendwo stecken bleibst, dann hole ich dich.“ Was für ein toller Mensch. Dankesehr Chris.

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