Auf Wiedersehen

Ich bin verloren in meinen Gedanken, die Landschaft zieht einfach so an mir vorbei und das laufende Radio ist in meinem Kopf ausgeschaltet. Ich schaue aus der Frontscheibe, doch mein Blick kann nichts erfassen. Es ist als wäre ich blind; meine Augen sind offen, doch ich sehe nicht was sich vor mir befindet. Mein Sitz ruckelt ein wenig von der unebenen Straße, doch das macht mir nichts aus. Ich sitze zwar in diesem Auto, doch eigentlich bin ich ganz woanders. Wo ich bin weiß ich nicht, ich bin nur nicht da wo ich sein sollte. Ich verpasse jede tolle Aussicht die noch vor mir liegt und habe alles verpasst was nun hinter mir liegt. Ich kann nichts daran ändern und irgendwie ist es mir egal. Doch dass es mir egal ist, ist mir nicht egal.

Die vier Reifen rollen über ein winziges Stück Asphalt. Ein winziges Stück Straße, welches wie jedes andere scheint, doch einen riesigen Unterschied macht. Ich bin nun wieder auf kanadischem Boden. Wie als läge dort eine Grenzmauer, die nur ich sehen kann, pralle ich an ihr auf und gleite die Wand bis zu ihrem Fuße hinab. Ich bin nun wieder voll und ganz in diesem Auto. Ich bin hellwach und weitaus aufmerksamer.

Ich habe Alaska verlassen.

Den Fleck der Erde, der mich immer mehr fasziniert hat als alles andere.

Und es ist mir egal.

Ich dachte, dass es mich mehr treffen wird. Dass mich der Platz meiner Träume mehr festhalten wird, doch so ist es nicht. Das macht mich traurig und enttäuscht von mir selbst. Waren all die Erwartungen und die Sehnsucht hierher umsonst? Hat es mir etwa nicht gefallen?

Doch, das hat es.

Es ist ein wunderschöner Staat und ich bereue es keinesfalls hier her gekommen zu sein. Es ist nur ein bisschen anders als erwartet. Es ist nicht das Alaska meiner Gedankenwelt, welches ich ersehnt habe. Vielleicht ist die Sehnsucht ein Verlangen, das gar nicht immer verlangt erfüllt zu werden. Vielleicht ist die Sehnsucht nur ein Verlangen, welches gespürt werden möchte. Vielleicht war mein Alaska auch immer nur ein Symbol für etwas anderes. Eine Metapher für tief in mir verborgene Gedanken, Gefühle und Verlangen. Womöglich ein Schrei in die Weiten der Welt, der Gedanke zu gehen, das Gefühl von Fernweh und das Verlangen weg zu kommen. Was auch immer es ist, und auch wenn Alaska nicht so erfüllend wie erhofft war, bin ich froh darüber hier gewesen zu sein. Denn auch wenn es mir nicht das gegeben hat, wonach ich anscheinend suche, hat es mir Klarheit darüber gegeben, was ich vielleicht nicht suche. Zudem ist es erfüllend zu wissen, dass ich meine Ziele gewiss verfolge und immer erreichen kann, wenn ich das möchte. Und wo auch immer mein Alaska der Gedanken als nächstes liegen mag, komme ich in meinem Leben noch einmal zurück zu dir, wahres Alaska. Denn du bist trotz all dem wunderschön.

Also, auf Wiedersehen!

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