Morgengrauen

Ich ziehe mir sorgfältig und vorsichtig meine Kapuze über den Kopf. Die weiche Innenseite berührt leicht meine Schläfen und Wangen und ein paar Haarstränen fallen mir ins Gesicht. Es kitzelt etwas an der Nase, doch das soll mich nicht stören. Ich öffne meine Augen einen kleinen Spalt um zu sehen, wie dunkel es noch ist. 5:30 Uhr. Zu früh. Die Sonne ist noch nicht einmal auf. Ich richte das Kissen hinter mir, welches meinen Rücken von der kalten Scheibe trennt und versuche eine gemütlichere Position zu ergattern. Noch einmal öffne ich kurz die Augen. Nur so weit wie es meinen müden Liedern möglich ist, um nach meinem Handy und meinen Kopfhörern zu greifen. Der Motor knurrt. Durch die Vibration wackelt alles ein wenig. Hinter mir leuchtet leicht das Eingangslicht der Wirtschaft. Ich entwirre meine Kopfhörer, platziere sie einen nach dem anderen in meinen Ohren und suche nach einem Soundtrack, welcher mich entspannen lässt. Ich werde wacher. Das macht nichts. Manchmal ist es angenehmer entspannt wach zu sein als unentspannt zu schlafen. Die Augen lasse ich die meiste Zeit geschlossen und öffne sie nur manchmal um den Himmel abzuchecken. Es ist nicht komplett dunkel, eher dunkeltürkis. Die Silhouetten der Bäume und Berge zeichnen sich von deren Hintergrund klar ab. Hinter dem Berg ist das türkis ein wenig heller, somit lassen sich sogar die Baumkronen in der Ferne, welcher das Gestein als Zierde trägt, gut erkennen. Es sind viele Wolken am Himmel. Auch diese sind wie alles andere dunkelgrau bis schwarz. Bis auf den Himmel hat alles für die Nacht seine Farbe verloren. Ich richte meinen linken Kopfhörer, welcher ständig droht heraus zu fallen und lasse meinen Nacken knacken. Jedes Mal wenn ich die Augen öffne werden die Wolken weniger. Nach einer Weile wird das dunkle Türkis zu sattem blau. Ein Zeitgefühl habe ich nicht. Mal sehen wie lange es wohl dauern mag bis es vollends hell ist und die Nacht der Umgebung seine Farbe zurück gibt. Der Horizont färbt sich grün. Die Straße hebt sich nun in einem helleren Grau von der restlichen Masse ab. Irgendwann halte ich meine Augen offen und beobachte die schwarzen Äste, wie sie im Wind wiegen. Innerlich bin ich ganz ruhig, ich habe keine Eile mehr. Das Grün in der Ferne wird zu leichtem Gelb welches fast weiß, fast farblos in das Blau blendet. Das Blau, das nun heller wird. Die Baumstämme der Birken stechen mit ihrer cremigen Farbe aus der schwarzen Masse des Geästes hinaus. Konzentriere ich mich stark, kann ich bei den nahest liegenden sogar schon ihre dunkleren Schecken sehen. Das Hellblau des Himmelszelts verliert durch die ansteigende Helligkeit immer und immer mehr seine Intensität. Feiner Staub weht kegelförmig über die Straße bis zu diesem Parkplatz und verschwindet zwischen den stehenden Autos. Am Horizont hebt sich nun ein Steinbruch empor, wie als hätte er sich aus dem nichts erbaut. Circa eine Stunde ist vergangen. Es ist zwar hell nur noch nicht wirklich Tag. Der Motor heult kurz auf und setzt das Kraftfahrzeug in Bewegung. Wir überqueren verschiedene Brücken, deren Metall durch das fehlende Licht matt und das Eis der gefrorenen Seen eher grau als blau wirkt. Je weiter wir kommen desto mehr Farbe gewinnt die Landschaft. Die Bäume ergrünen, das Gestrüpp ist wieder orange bis braun und der gelbe Mittelstreifen des Highways ist wieder zu sehen. Es fühlt sich nicht so an, wie als hätte ich diese Strecke schon einmal zurückgelegt. Exakt die selbe Straße mit exakt der selben Umgebung. Jeder hat mich vorgewarnt, dass das passieren wird, doch konnte ich es nicht glauben. Jedes Mal sieht die Gegend anders aus, wie ein neuer, zuvor noch nie gesehener Ort, egal wie oft man den Landstrich schon durchquert hat. Und genau das macht das alles hier noch ein ticken besonderer, erfüllender, spannender und vor allem einzigartig.

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