Frühstück ist fertig!

Tschop, tschop, rrratsch, plong, plong, plong. Erdbeeren, Trauben, Heidelbeeren, Äpfel, Bananen, Mandarinen und Himbeerren liegen sorgfältig aufgeteilt vor mir. Ich schneide alles klein und sehe dem Obst beim herabpurzeln vom Schneidebrett in eine große Glasschüssel zu.

Tschop, tschop, tschop, tschop, rrrrratsch, plong.

Es ist kurz nach acht. Ich stehe in Katrins (meine momentane Chefin) Küche und bereite das Frühstück für die Crew vor. Hinter mir knistert das Feuer im Ofen, einer der Hunde hat sich um meine Füße gelegt und Katrin wuselt mit ihrem Sohn hastig im Wohnzimmer herum. Sie hat es eilig. Wie immer. Ich greife nach der Schüssel Obstsalat, steige über das weiße Tier und öffne mit der anderen Hand den Ofen, um nach den Croissants zu sehen. Ein herrlicher Duft und ein Schwall warmer Luft kommen mir entgegen. Ein wenig Zeit brauchen sie noch. Ich laufe weiter zum Esstisch, welcher bereits mit sieben Tellern und zugehörigen Tasse und Besteck gedeckt ist, und platziere meine Schüssel an einer noch freien Stelle. Mein Blick fliegt über den Tisch, um zu checken ob noch irgendetwas fehlt. Währenddessen höre ich wie sich die Türe öffnet und ein lautes Klappern durch den Türrahmen tritt. Ich muss grinsen als ich Ora, Charlie und Maestro, die anderen Hunde, um meine Beine wuseln sehe und hinter mir jemand ins Fluchen ausbricht.

Guten Morgen Roman.

Einen Griff nach einer Tasse und ein paar Schritte zur Kaffeemaschine später, schaue ich dem Jungen im Kücheneck lehnend beim Neubeladen der Schubkarre mit Feuerholz zu. Seine Schicht beginnt wie meine um acht, doch er kommt immer zu spät. Ich muss schmunzeln. Die Tür öffnet sich erneut und ein großer Mann mit orangenem Vollbart und Sonnenbrille im Gesicht tritt im den Raum. Kein Muks. Zielstrebig auf die Kaffeemaschine zulaufend, steigt er über den immer noch fluchenden Roman drüber, schenkt sich eine Tasse ein und stellt sich zu mir ins Eck. Still beobachten wir weiterhin das Aufladen des Feuerholzes.

Guten Morgen Klaus.

Auch Katrin muss den frisch gebrühten Kaffee gerochen haben, denn auch sie bahnt sich schnurstracks ihren Weg zu uns in die Küche. Ich verlasse unser Kücheneck- Treffen der anonymen Koffeinsüchtigen und kümmere mich um die Croissants, während Katrin die zwei jungen Herren mit Fragen und Anweisungen für den anstehenden Tag bombardiert. Immer auf Zack die Frau.

Mittlerweile ist es Punkt neun Uhr. Frühstückszeit. Ich checke ein letztes Mal den Tisch bevor die anderen dazustoßen. Salz, Pfeffer, Sriracha Soße, Mayo, Sahne, Leberwurst, Marmelade, Milch, Rosinen und Kaffee. Alles da. Passt. Kaum auf meinem Stuhl niedergelassen, füllt sich der Raum mit dem Rest der Crew. Kat und Siyam, ihr Sohn, sitzen links von mir. Milch für ihren Kaffee und für Siyams Flasche, sowie Rosinen, weil er die so gerne isst und sonst viel zu wenig isst. Check. Gegenüber von mir sitzen Logan und Andrew. Zwei Handwerker aus Fort St.John, welche momentan das Dach und das Deck renovieren. Logan trinkt seinen Kaffee mit Sahne. Andrew isst alles mit scharfer Soße, Salz und Pfeffer und Mayo. Wirklich alles. Roman sitzt rechts von mir. Er isst am liebsten Croissant mit Marmelade. Am linken Tischeck sitzen Rupert, der Gehilfe von Logan und Andrew, und Klaus. Rupert liebt Leberwurst und Klaus trinkt einfach nur Kaffee. Es ist erstaunlich wie viel bestimmte Essgewohnheiten über bestimmte Personen aussagen und wie viel man durch solche Kleinigkeiten über sie lernt. Ich bin seid circa einer Woche hier und nur durch das Zusammensitzen am Tisch und beobachten, kenne ich die Jungs beinahe so gut als wäre ich schon ein Jahr mit ihnen hier. Alle von ihnen haben witzige Eigenarten, die einem so vielleicht gar nicht so auffallen würden, doch im Endeffekt große Teile ihrer Charakterzüge ausmachen. Zudem ist das Frühstück, Mittag- und Abendessen die einzige Zeit in der wir zusammensitzen, reden, entspannen und lachen können. Sonst ist jeder den restlichen Tag mit seinen eigenen Arbeiten beschäftigt. Es stärkt unseren Teamgeist und die Leistungsfähigkeit jedes einzelnen enorm. Und dass genau DAS meine Aufgabe ist und ich durch das Festhalten von Kleinigkeiten für jemanden für einen großen Unterschied und für glücklich sein sorgen kann, macht mich froh.

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